offener brief • pro cannabis

Liebe Vertreterinnen und Vertreter des konservativen Denkens,

ich hoffe, dieser Brief erreicht Sie bei bester Laune – vielleicht bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wein. Und nein, ich werde Ihnen nicht das Glas aus der Hand reden. Vielmehr möchte ich mit Ihnen über ein Thema sprechen, das in letzter Zeit für hitzige Debatten sorgt: Cannabis. Ja, genau, das grüne Kraut, das von manchen verteufelt wird wie ein Schurke in einem alten Westernfilm. Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick darauf werfen – ohne Scheuklappen, ohne Panikmache und mit einer Prise Humor.

Die große Frage: Warum eigentlich zurückrudern?

Die Legalisierung von Cannabis ist da. Sie ist beschlossen, sie wird umgesetzt, und sie hat bereits begonnen, unsere Gesellschaft zu verändern – in vielerlei Hinsicht positiv. Doch nun hören wir aus konservativen Kreisen immer wieder den Ruf nach einer Rücknahme dieser Reform. Warum? Um die Jugend zu schützen? Um die Gesellschaft vor dem vermeintlichen Chaos zu bewahren? Oder vielleicht einfach aus Prinzip?

Lassen Sie uns ehrlich sein: Die Gründe für eine Rücknahme sind dünn – dünner als ein Blatt Papier nach einem Regenschauer. Die Argumente gegen die Legalisierung sind oft emotional und ideologisch geprägt, aber selten sachlich fundiert. Und genau hier liegt das Problem.

Jugendschutz: Der Schwarzmarkt liebt Verbote

Eines der häufigsten Argumente gegen Cannabis ist der Jugendschutz. Man sagt: "Wenn wir es verbieten, schützen wir unsere Kinder." Klingt logisch, oder? Aber Moment mal – haben wir nicht jahrzehntelang gesehen, wie gut das funktioniert hat? Spoiler: Es hat nicht funktioniert.

Ein Verbot schiebt den Handel mit Cannabis zurück in die Hände illegaler Dealer. Und diese Dealer fragen nicht nach dem Ausweis. Im Gegenteil: Der Schwarzmarkt floriert gerade dann, wenn es keine regulierten Verkaufsstellen gibt. Eine Legalisierung mit klaren Altersgrenzen und kontrollierten Verkaufsstellen bietet tatsächlich besseren Schutz für Jugendliche als ein Verbot.

Suchtgefahr: Alkohol lässt grüßen

Ein weiteres beliebtes Argument ist die Suchtgefahr. "Cannabis macht abhängig!" heißt es oft – und ja, das kann passieren. Aber wissen Sie was? Alkohol macht auch abhängig. Tatsächlich ist Alkohol eine der gefährlichsten Substanzen überhaupt – sowohl körperlich als auch gesellschaftlich.

Warum wird Alkohol nicht verboten? Weil er kulturell akzeptiert ist. Weil man ihn seit Jahrhunderten trinkt. Und weil er Steuereinnahmen bringt. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das Suchtpotenzial von Alkohol deutlich höher als das von Cannabis. Die Doppelmoral schreit förmlich zum Himmel.

Gesellschaftliche Folgen: Keine Explosion des Konsums

Manche befürchten eine Explosion des Cannabiskonsums durch die Legalisierung. Doch schauen wir uns die Realität an: In Ländern wie Kanada oder den Niederlanden hat sich gezeigt, dass der Konsum nicht plötzlich durch die Decke geht. Vielmehr wird er sichtbarer – weil Menschen nicht mehr gezwungen sind, sich zu verstecken.

Und ja, gesundheitliche und soziale Folgen gibt es auch beim Cannabiskonsum. Aber wissen Sie was? Diese gibt es auch bei Alkoholmissbrauch – und zwar in einem Ausmaß, das Cannabis bei weitem übertrifft.

Kontrollprobleme: Einfacher als gedacht

Ein regulierter Markt für Cannabis ist keine Raketenwissenschaft. Stecklinge, Samen oder fertige Produkte können in zertifizierten Verkaufsstellen angeboten werden – nur an Erwachsene und unter strengen Qualitätskontrollen. Das ist einfacher umzusetzen als eine Rücknahme der Legalisierung, die rechtlich und praktisch ein Albtraum wäre.

Signalwirkung: Warnhinweise funktionieren

Manche sagen: "Die Legalisierung sendet ein falsches Signal." Aber denken wir mal kurz nach: Auf jeder Zigarettenschachtel prangt ein Warnhinweis wie "Rauchen tötet". Trotzdem rauchen Millionen Menschen weltweit. Warum? Weil Verbote und Warnungen allein nicht ausreichen – Aufklärung und Prävention sind entscheidend.

Die Vorteile einer Regulierung

Jetzt kommen wir zum positiven Teil: Eine regulierte Legalisierung bietet Chancen – für die Gesellschaft, für den Staat und sogar für den Kühlschrank (dazu später mehr). Hier sind einige Vorteile:
  • Steuereinnahmen: Eine Cannabis-Steuer könnte Milliarden generieren – Geld, das direkt in Prävention und Aufklärung fließen könnte.

  • Entlastung der Justiz: Keine kleinen Konsumenten mehr vor Gericht – stattdessen Fokus auf echte Kriminalität.

  • Jugendschutz: Kontrollierter Verkauf schützt besser als der Schwarzmarkt.

  • Gesundheitliche Sicherheit: Keine verunreinigten Produkte mehr – nur geprüfte Qualität.

  • Wirtschaftliche Impulse: Neue Arbeitsplätze durch Anbau, Vertrieb und Forschung.

Cannabis vs. Alkohol: Ein fairer Vergleich

Lassen Sie uns einen Moment innehalten und vergleichen: Alkohol fördert aggressives Verhalten; Cannabis beruhigt eher. Alkohol schädigt Organe wie Leber und Herz; Cannabis hat bei moderatem Konsum vergleichsweise geringere körperliche Schäden. Alkoholentzug kann lebensgefährlich sein; Cannabiskonsum führt höchstens zu einem leergefressenen Kühlschrank.

Ja, richtig gelesen – einer der größten "Gefahren" von Cannabis ist der sogenannte Fressflash (oder "Munchies", wie es liebevoll genannt wird). Während Alkohol oft mit Gewalt oder riskantem Verhalten assoziiert wird, endet eine Cannabissession eher mit Chipskrümeln auf dem Sofa.

Die Realität einer Rücknahme

Und jetzt mal ehrlich: Eine Rücknahme der Legalisierung wäre ein logistischer Albtraum. Entschädigungsansprüche von Cannabis-Clubs? Übergangsfristen für Pflanzen? Anpassung bestehender Urteile? Das alles würde die Gerichte über Jahre hinweg beschäftigen – Ressourcenverschwendung par excellence.

Gerichte könnten sogar die Rücknahme ablehnen, weil sie verfassungsrechtlich bedenklich wäre oder gegen den Willen des Gesetzgebers verstößt.

Die Zukunft liegt im Dialog

Liebe konservative Gesellschaft, ich verstehe Ihre Sorgen – wirklich! Aber anstatt zurückzublicken und alte Verbotsstrategien wiederzubeleben, sollten wir nach vorne schauen. Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie wir einen verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis fördern können – durch Regulierung, Aufklärung und Prävention.

Denn am Ende des Tages geht es nicht darum, ob jemand ein Glas Wein oder einen Joint bevorzugt. Es geht darum, wie wir als Gesellschaft mit Risiken umgehen können – ohne Panikmache und ohne Doppelmoral.